Starnberger Dialog
Netzwerk für ein friedliches Zusammenleben

100 Jahre Kriegsende 11.11.1918-11.11.2018

 

Der Starnberger Dialog hat nach seiner gut besuchten Gedenkfeier „ 100 Jahre Krieg und Frieden“ am Sonntag den 11.11.18 in Starnberg gestern auch die von Frau Kerstin Täubner-Benicke organisierte Fahrt zu den über 3000 installierten Mohnblumen aus Seide auf dem Münchener Königsplatz mit 20 Mitgliedern und interessierten Bürgern aus Starnberg  durchgeführt u.a. auch mit den Gründungsmitgliedern Sissi Fuchsenberger, Martina Neubauer und Rainer Hange. Der Königsplatz steht dabei mit seiner NS-Vergangenheit als Appel-und Aufmarschplatz und seiner umliegenden Gebäude im Kontrast zu dem Gedenken an die Millionen Soldaten und zivilen Opfer aller Kriege. Aktionskünstler Dr. Walter Kuhn empfing die Besuchergruppe und erläuterte sein Werk von der Idee bis zur Verwirklichung mit allen Schwierigkeiten wie den Finanzen, städtische Genehmigung , Installation und Arbeitsaufwand. In einem Info-Container wird durchgehend in einem Film und durch Aushänge auf diese Friedensmission hingewiesen unter dem Motto „Niemals wieder“ www.niemalswieder.com. Die Installation kann noch bis 2. Dezember 2018 besichtigt werden.

Zeitungsartikel zu der Veranstaltung am 11.11.2018

Link zum Starnberger Merkur

Vorberichterstattung: Link zur SZ Starnberg

 

 


Sommer 2018: Demokratie im Biergarten

Im Sommer ist in diesem Jahr Zeit für die Frage, wohin sich die demokratische Idee entwickelt. Nachdem ihr Siegeszug mit dem Jahr 1989 unaufhaltsam schien, zeigen sich mittlerweile Tendenzen, die nachdenklich stimmen, was ihre Zukunft als Staatsform betrifft.

Die Gesprächsreihe im Biergarten nahm sich Zeit für die Theorie hinter den Systemen.

 Mo., 6.8.  „Der ideale Staat“            Die antike Demokratie

 Di., 7.8.    „We the people“                Die amerikanische Verfassung

 Mi, 8.8.    „Wir stimmen ab“            Direkte Demokratie & Demarchie

 Do., 9.8.   „Alle Macht den Räten“     Die Rätedemokratie

 Fr., 10.8.  „Postdemokratisch“          Defekte Demokratien

 Sa., 11.8.  „Die vierte Gewalt“            Demokratie stärkende Medien

Besuch der Ausstellung "Nie wieder. Schon wieder. Immer noch." im NS-Dokuzentrum München am 19.1.2018

Besuchergruppe (c) Orla Connolly

Der Rechtsextremismus in Deutschland verändert sich stetig - aber er verschwindet nicht. Das zeigt die Sonderausstellung in München bis zum 2.4.2018 auf eindringliche wie erschreckende Weise. Rechtsextremes Gedankengut ist mittlerweile tief in die Gesellschaft vorgedrungen, was sich etwa an der Verrohung der Sprache in sozialen Netzwerken zeigen lässt, oder auch an den zunehmenden Angriffen auf Geflüchtete und Asylbewerberunterkünften.

Einige Mitglieder des“ Starnberger Dialogs für ein friedliches Zusammenleben“ und des Vereins „Gegen Vergessen-für Demokratie e.V.“, u.a. die frühere Bundesjustizministerin und derzeitige Kreisrätin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die Kreisrätinnen Sissi Fuchsenberger und Martina Neubauer, der evang. Pfarrer Dr. Stefan Koch, Judith Baumann und Dieter Heinze haben am 19.1.2018  die Sonderausstellung „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.“ über Rechtsextremismus ab 1945  im NS-Dokuzentrum in München besucht, initiiert und organisiert von Rainer Hange. Der dortige Leiter, Herr Direktor Prof. Winfried Nerdinger, empfing die Starnberger Gruppe persönlich und lies es sich nicht nehmen, sie auch durch das Haus zu führen und die Ausstellung zu erklären. In Schaubildern wird dort die Entwicklung des Rechtsextremismus seit Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland bis heute erläutert und dabei aufgezeigt, daß diese menschenverachtende Ideologie mit rechten Gruppierungen, Parteien und Kameradschaften  auch schon Anschluß bis in die Mitte der Gesellschaft gefunden hat und damit eine ständige Gefahr für die Demokratie darstellt. Es wurde berichtet,  mit welchen Strategien und Methoden dieses Gedankengut verbreitet wird und wie man dem entgegentreten kann. Dazu wird u.a. auch der Nationalismus, die Fremdenfeindlichkeit, der Rassismus, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus, Antiziganismus, Verfälschung der Geschichte und ein antidemokratisches Denken an Exponaten dargestellt. In den über 70 Jahren seit 1945 hat sich der Rechtsextremismus in Wellenbewegungen auf und ab bewegt und ist zur Zeit wieder auf einem Höchststand. Unsere Besuchergruppe diskutierte auch mit Prof. Nerdinger, wobei Frau Leutheusser-Schnarrenberger bei dieser Thematik über ihre Erfahrungen als Bundes- Justizministerin und Abgeordnete in den Jahren von 1990 bis 2013 mit Gesetzesinitiativen und Bundestagsdebatten in Berlin berichtete. Festgestellt wurde, daß neben der Politik auch die Zivilgesellschaft und die Medien mithelfen müssen, das Phänomen Rechtsextremismus zu bekämpfen, was wir im Starnberger Dialog auch mit unseren Aktionen bezwecken.  Auf dem beigefügten Bild ist die Besuchergruppe mit Prof. Winfried Nerdinger zu sehen.

Bericht Wochenanzeiger

Kundgebung am Abend des 9. November 2017 in Starnberg

Gedenktag 9.11.2017

Der „Starnberger Dialog“ rief auch in diesem Jahr zur Kundgebung am 9. November auf dem Starnberger Kirchplatz auf. Sie stand wiederum unter der Überschrift „Unsere Demokratie – wir passen drauf auf“ und lud die Bürgergesellschaft Starnbergs und der Region dazu ein.

Neben den Grußworten von der Starnberger Ersten Bürgermeisterin Eva John und stellvertretendem Landrat Tim Weidner gehörte für den Starnberger Dialog das jüdische Gebet für die Ermordeten des Holocausts in jedem Jahr zu den Grundaufgaben der Erinnerung des 9. November. Den aktuellen Schwerpunkt bildete diesmal das Thema „Sprache“. Ihre destruktive alltägliche Wirkmacht insbesondere im Pogrom von 1938 wurde eindrucksvoll von Viktor Klemperer dokumentiert. Der Fall der Mauer im Jahr 1989 bedeutete auch ein Niederreißen sprachlicher Mauern. Der damalige Ruf „Wir sind das Volk“ dient inzwischen dazu, Barrieren aufzubauen, und Menschen auszugrenzen. Auch die aktuellen verharmlosenden Redeweisen über die Verbrechen der Nazidiktatur geben Grund zur Sorge, dass die gegenwärtig erlebbare Verrohung unserer Sprache ein Spiegelbild der zunehmenden Verrohung der Gesellschaft ist. Dem tritt der Starnberger Dialog klar, deutlich und mit dem Appell zur Achtsamkeit entgegen. Der Starnberger Dialog will aufdecken, was die Sprache populistischer oder gar extremistischer Sprecherinnen und Sprecher verrät. Die Organisatoren und Organisatorinnen wollen verdeutlichen, dass ein oft bewusst grenzüberschreitender Gebrauch der Sprache der gegenseitigen Verständigung schadet. Sie rufen zu einer demokratisch verantworteten Redeweise auch über die deutsche Geschichte auf. Diese Redeweisebeherzigt selbst, was sie einfordert: Respekt, Inklusion und Verständigung. Einen musikalischen Akzent mit der Klarinette setzte Stefan Komarek und es kamen u.a. Texte von Victor Klemperer und Axel Hacke zu Gehör. Der Abend steht unter dem Ausspruch von Max Mannheimer: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon."

Redebeiträge:

Eva John (1.Bürgermeisterin)

Tim Weidner (Stellvertretender Landrat)

Dr. Stefan Koch (evang. Pfarrer)


Am 12. Mai 2017 setzte sich der Starnberger Dialog mit dem Thema „Nimmt die Menschenfeindlichkeit zu?“ auseinander:

Werner Fröhlich

Wie sieht es aus mit menschenfeindlichen und rassistischen Einstellungen? Sind sie wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wie immer wieder zu lesen ist? Die Wissenschaftler des Instituts für Soziologie der Ludwigs-Maximilians-Universität München haben in einer Studie die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Bayern untersucht. Gegen welche Gruppen richten sich Ressentiments, gegen Muslime oder gegen Juden? Gegen Nichtsesshafte oder Obdachlose?  Dr. Werner Fröhlich von der LMU stellte seine Forschungsergebnisse in Starnberg vor. Eingeladen hatte der „Starnberger Dialog“, ein Zusammenschluss von engagierten  Bürger*innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, der  Politik und den Kirchen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den demokratiefeindlichen und gleichgültigen Kräften mit Information und Aufklärung entgegen zu treten.

Am 7. Mai 2017 setzte der „Starnberger Dialog“ auf dem Kirchplatz in Starnberg mit einem „Impuls für Europa“

ein Zeichen für eine lebhafte Demokratie in Europa. Alle Bürgerinnen und Bürger waren herzlich eingeladen, ein Bekenntnis für Europa abzulegen, zu kommen oder selbst das Mikrofon zu ergreifen, um ganz persönlich zu schildern, was ihnen wichtig ist, was ihnen am Herzen liegt, welche Wünsche, Hoffnungen und Sorgen sie mit Europa verbinden. „Wir wollten“, so die Initiatoren des Starnberger Dialoges „gerade am Tag der Stichwahl um die französische Präsidentschaft ein starkes Zeichen für ein friedliches, geeintes Europa setzen“.

Gedenken an den Todesmarsch durch Starnberg und Percha

Gedenken am Denkmal

Rainer Hange erinnert alljährlich an den Todesmarsch aus Dachau, der mitten durch Starnberg in den letzten Kriegstagen führte.

Schülerinnen und Schüler, Zeitzeugen, kommen zu Wort und gedenken der vielen Toten und Gequälten.

Gedenkfeier am 9. November 2016

Gedenken 9.11.2016





Redebeiträge:

Eva John (1. Bürgermeisterin)

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Bundesministerin der Justiz a.D.)

Georg Scheitz (stellvertretender Landrat)

Judith Baumann

Dr. Stefan Koch (evang. Pfarrer)

Sissi Fuchsenberger (Historisches zum 9.11.)

Berichte über die Gründung am 3. Oktober 2016

Ein starkes Zeichen für Zivilcourage - Merkur von 6.10.16

Starnberg – Die Initiatoren sind fürs Erste zufrieden: „Es war ein vielversprechender Start für den Starnberger Dialog“, sagt die Grünen-Stadt- und Kreisrätin Martina Neubauer über die Gründungsveranstaltung am Montagabend. Etwa 50 Interessierte aus der Stadt und dem Landkreis wurden mit ihrer Unterschrift Gründungsmitglieder des Dialogs, der ein überparteiliches und überkonfessionelles Netzwerk für ein friedliches Zusammenleben sein will (wir berichteten).

Neben Neubauer hatten das FDP-Ehrenmitglied Rainer Hange, der evangelische Pfarrer Dr. Stefan Koch und Grünen-Kreisvorsitzende Kerstin Täubner-Benicke die Idee für den Zusammenschluss. „Wir wollen gewappnet sein“, hatte Neubauer gesagt. Gewappnet für den Tag, an dem auch im Fünfseenland rechtsradikale oder rassistische Parolen gegrölt werden.

So heißt es in dem Grundsatzpapier: „Das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und Glaubensgemeinschaften ist gefährdet, wo Rassismus, Rechtsradikalismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit offen oder verdeckt gezeigt werden. Die schmerzhaften Erfahrungen unserer deutschen Geschichte sind für uns Mahnung und Auftrag zugleich.“

Landrat Karl Roth machte deutlich, wie er die Entwicklungen in den beiden zurückliegenden Jahren im Landkreis, insbesondere im Hinblick auf die Ankunft der vielen Geflüchteten, erlebt hat und welche Aufgaben nun vor der Gesellschaft stünden. Roth zeigte sich erfreut, dass mit dem neuen Netzwerk die Kräfte gebündelt würden und man noch besser gemeinsam agieren könne. „Auch heute ist wieder Zivilcourage gefragt“, sagte der Landrat.

Auch wenn noch nicht klar ist, wie die zukünftige Zusammenarbeit koordiniert wird, wurde deutlich, dass diese Verknüpfung bisher fehlte. „Unsere Vernetzung stärkt das Wissen voneinander, die Möglichkeit des Austauschs und das Einstehen für unsere Demokratie“, lautete die gemeinsame Einschätzung.

Neues Bündnis für friedliches Miteinander (Starnberger Merkur)
Es geht um Respekt, um Freiheit und um Toleranz: Am Montag gründet sich im Landratsamt der „Starnberger Dialog“. Was es mit dem Bündnis auf sich hat, haben die Initiatoren jetzt vorgestellt.

Von Peter Schiebel

Starnberg – Auch wenn es im Starnberger Stadtrat oft genug hoch hergeht – was die politische Großwetterlage anbelangt, sind die Stürme an Starnberg bislang vorbeigezogen. Neonazi-Aufmärsche und rechtes Geschrei hat es in der Kreisstadt wie auch im Landkreis bislang höchstens am Rand gegeben. Aber ob das so bleibt?

Grünen-Stadträtin Martina Neubauer hat da so ihre Zweifel: „Wir rechnen damit, dass bei den Wahlen im nächsten Jahr die eine oder andere Gruppierung aktiv wird“, sagt sie. Wir – das sind neben Neubauer der evangelische Pfarrer Dr. Stefan Koch, das FDP-Ehrenmitglied Rainer Hange und die Grünen-Kreisvorsitzende Kerstin Täubner-Benicke. Sie stecken hinter dem „Starnberger Dialog für ein friedliches Zusammenleben“, der sich am Montag, dem Tag der Deutschen Einheit, im Landratsamt gründen will. „Die Entwicklungen in Deutschland und in Europa bereiten uns Sorge“, sagen die vier. „Wir wollen deswegen ein Forum bieten, sich auszutauschen und gemeinsam Veranstaltungen zu planen und durchzuführen.“

Etwa 130 Persönlichkeiten und Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen haben die Initiatoren persönlich angeschrieben und für Montag eingeladen: Kirchen, Vereine, Parteien, Sozialverbände, Gewerkschaften, Kulturschaffende, Bürgermeister und Altbürgermeister... Landrat Karl Roth war einer der ersten, der zugesagt hat.

Sie alle sollen ein möglichst großes Netzwerk bilden. „Wir wollen Menschen mit bürgerschaftlichem Engagement näher zusammenbringen“, erklärt Pfarrer Koch. Dabei gehe es nicht um einen Beitrag für die Starnberger Lokalpolitik, betont er, sondern vielmehr um die Frage, wie wir künftig zusammenleben wollen. Und darum, im Falle eines Falles möglichst schnell möglichst viele Demokraten auf die Beine zu bringen. Denn die Bedrohungen vom rechten Rand nehmen die Initiatoren sehr ernst. „Wir sind in Habachtstellung“, sagt Martina Neubauer. Für Rainer Hange eine Frage der Ehre. „Ich möchte meinen Beitrag leisten, so lange ich lebe“, sagt der 75-Jährige, der unter anderem schon Gedenkfeiern an den Todesmarsch aus dem KZ Dachau organisiert hat.

Der „Starnberger Dialog“ gründet sich am Montag, 3. Oktober, um 18.30 Uhr im Landratsamt. Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen., zu den Mitgründern zu gehören. Übrigens: Angst, damit auch ein Amt übernehmen zu müssen, braucht niemand zu haben. „Wir wollen kein Verein oder etwas ähnliche werden“, sagt Pfarrer Koch. Es gehe einzig darum, Menschen guten Willens zusammenzubringen. Für ein friedliches Starnberg.